Wie ich als Lehrerin die Isolation gestalte

Life Hacks

Christine Weinkopf Christine Weinkopf

Das Coronavirus hat uns alle überrascht. Nichts läuft mehr wie gewohnt. Arbeitsplätze werden gekündigt. Selbstständige bangen durch schwindende Aufträge, um ihre Existenz. Öffentliche Einrichtungen schließen. Ich mittendrin, als Mutter einer 7-jährigen Tochter, Lehrerin einer Mittelstufe und Schulgründerin, die in einer Patchwork Familie lebt. Witzigerweise gelingt es mir (noch) ziemlich entspannt mit der Situation umzugehen und ich kann den aktuellen Lebenswandel recht gelassen gemeinsam gestalten. Dazu will ich gerne einige Tipps weitergeben, wie ich eine Umstellung in einen selbstbestimmten strukturierten Alltag schaffe. Diese Lebenshaltung kann eventuell auch nach der Corona-Virus Krise eine hilfreiche Routine darstellen. Dabei gibt es weder einen Anspruch auf Richtigkeit für jede Familienstruktur noch auf Vollständigkeit. Denn in verschiedenen Lebenslagen, sind wir aufgefordert unterschiedliche Maßnahmen zu setzen. Hier nun zu meiner persönlichen Herangehensweise :

  1. Medienberichterstattung: Schutz vor übermäßigen Konsum
  2. Selbstliebe: achten Sie gut auf sich selbst
  3. Alter des Kindes beachten: Jüngere benötigen Aufklärung, Ältere Begleitung und Diskussionspartner, die sie und ihre Bedürfnisse ernst nehmen
  4. Kontakte: Telefon, E-Mails und Briefe an Großeltern, Familie & Freunde
  5. Struktur: klarer Tagesablauf
  6. Natur: Frischluft und Forschergeist mit Picknick im Grünen
  7. Bewegung: Hampelmänner, Workouts von Kindern angeleitet, Yoga, Ballspiele – was auch immer Spaß macht und Energie verbraucht
  8. Spielen: Rätsel raten, Schauspielern, Knobeln, Activity selbstgemacht, o.ä Gesellschaftsspiele – für die Jüngeren Heimspielplatz: Decken, Kartons und Klebeband
  9. Kreativität: Basteln, Malen und Konstruieren
  10. Einbinden: Frühjahrsputz und „Kochkurs“ (am besten gemeinsam neue Rezepte ausprobieren, jeder darf sich an einem Wochentag etwas wünschen)
  11. Auszeiten: Ruhephasen – nichtstun gehört auch dazu!

Schützen Sie Ihr Kind und sich selbst vor einer zu intensiven Medienberichterstattung. Es ist gut über die aktuelle Situation informiert zu sein, jedoch schürt die permamente Informationsflut die Angst vor der Betroffenheit, oder die Wut auf das derzeitige System. Meine persönliche Empfehlung: informieren Sie sich morgens und abends über die neuesten Geschehnisse. Machen Sie den restlichen Tag Dinge, die Ihnen Freude bereiten oder solche, die Sie schon lange aufgeschoben haben. Der Frühling ist bereits eingekehrt, da bietet sich z.B. ein Frühjahrputz an.

Zwischen Homeoffice, Unterlagen für Volksschulkinder, Bespaßung der Kindergarten Kinder, Diskussionen mit Jugendlichen UND dem Mittagessen kochen bleibt jedoch wahrscheinlich selbst dafür nicht viel Zeit... Struktur heißt das Zauberwort von Pädagog*innen, Psycholog*innen und Beratungsstellen. Doch was heißt das genau? Und wie plane ich – wenn ich prinzipiell kein Freund von engmaschigen Zeitfenstern bin.

Am wichtigsten erscheint mir voerst das SelbstBEWUSSTsein, ich nenne sie Selbstliebe. Wie im Flugzeug, benötigt man zuerst selbst die Sauerstoffmaske, bevor ich jemandem anderen helfen kann. Das klingt drastisch – bin ich jedoch in meiner eigenen Mitte und habe eine positive Grundhaltung, kann sich das auch auf mein Umfeld übertragen, wodurch ich Zuversicht, sowie Sicherheit vermittle. Wie komme ich nun – trotz aller angsteinflößenden besorgniserregendnen Nachrichten – in meine Ruhe?

Es beginnt mit dem „SelbstgeWAHRsein“ :

  • Nehmen Sie Ihre eigenen Gefühle ernst! Hierzu gehören die 5 Grundgefühle des Menschens: Angst, Wut, Trauer, Freude und Scham
  • Wie fühlen Sie sich jetzt gerade?
  • Identifizieren Sie eigenes Gefühl

Bringen Sie das WAHRgenommene Gefühl in Beziehung mit dem Außen:

  • Sprechen Sie mit Familie und/oder Freunden über ihre Gefühle
  • Geteilte Betroffenheit und Austausch über die DERZEITIGE Gefühlslage, hilft den Personen in Ihrem Umfeld zu verstehen, warum Sie so reagieren, wie Sie es gerade tun. Auch Kinder / Jugendliche haben ein erstaunliches Maß an Empathie. Seien Sie ein Vorbild und sprechen Sie auch mit Ihren Kindern ehrlich.

Werden Sie selbstwirksam und kümmern Sie sich um ihren eigenen Gefühlszustand:

  • Was brauchen Sie JETZT gerade?

z.B. Bewegung, eine wohlschmeckende Mahlzeit, o.ä.

  • Wie können Sie sich selbst etwas Gutes tun?

z.B. eine Badewanne einlassen, etc.

  • Wie können Sie Ihr Gefühl zum Ausdruck bringen, ohne den Personen im häuslichen Umfeld zu schaden?

z.B. Bild malen – auch wenn es voller Wut eher wie ein Gekritzel eines/r 3-jährigen aussieht...

Natürlicherweise, bedingt durch das Alter des Nachwuchs, gibt es unterschiedliche Rollen – neben denen der/des Hausfrau/-mann, Einkommensgenerierer*in, Psycholog*e*in der Familie – die die Elternteile zurzeit einnehmen müssen. Eines gilt jedoch für alle: Hören Sie ihrem Sprössling zu und nehmen Sie seine/ihre Gefühlslage ernst! Kinder und Jugendliche sind bereits eigene Persönlichkeiten, die entweder unsere Unterstützung (jüngeren), oder unsere Begleitung (ältere) benötigen.

Jüngere Kinder bedürfen Aufklärung und einen klaren Rahmen

  • Warum darf ich nicht in die Schule? Auf den Spielplatz? Meine/n beste/n Freund/in // die Großeltern oder andere Bezugspersonen besuchen?
  • Sehr wichtig sind nun die Hygienemaßnahmen, wie mind. 30 Sekunden Hände waschen, Distanz zu Mitmenschen, u.ä. (siehe Link)
  • Ich persönlich habe mit meiner Tochter gemeinsam einen Tagesplan erarbeitet - den wir mittlerweile schon einmal umgeschrieben haben, da sich doch andere Präferenzen gezeigt haben. Dieser hängt in der Küche und sie sieht immer wieder nach, was denn als nächstes ansteht.

Für Jugendliche wird man selbst zum Ansprech-/Diskussionspartner

  • Vermitteln Sie Fakten
  • Bei Fragen, Ehrlichkeit und Tranzsparenz - auch wenn Sie selbst etwas nicht wissen! Bitte machen Sie das Virus nicht zum einzigen Tagesthema!
  • Die Herausforderung ist in diesem Alter der häusliche Unterricht. Vielleicht finden Sie einen Deal mit ihrem Sprössling? Was macht er/sie denn gerne – Handy spielen/Konsole/Fernsehen sehr wahrscheinlich... Mein Vorschlag: erhöhen Sie die Bildschrimzeit, wenn er/sie Ihre Hausaufgaben sorgfältig und eigenständig erledigt hat.
  • Es bietet sich nun die Gelegenheit ihren Nachwuchs wieder näher kennen zu lernen, falls er/sie sich in letzter Zeit distanziert hat – machen Sie Angebote, ohne Erwartung, dass Ihnen einen freudiges leuchtendes Gesicht entgegenstrahlt. Vielleicht ist irgendetwas dabei, worauf er/sie gerne, jedoch mit faden Gesicht einsteigt, denn irgendwie muss man sich neben Schulaufgaben und Bildschirm auch die Zeit vertreiben. ;-)
  • Bieten Sie genügend Freiraum, auch wenn sich Kinder in dem Alter gerne im Zimmer einsperren und sich kaum zeigen. Geben Sie ihm/ihr den Raum und treffen feste Abmachungen – z.B. gemeinsame Essenszeiten, 1-2 Stunden/Tag eine gemeinsame Aktivität, o.ä.

Das Wohnzimmer wird zur Begegnungszone für das gemeinsam „SEIN“. Egal ob zusammen die alten Gesellschaftsspiele hervorgekramt werden, gemalt, gebastelt, gefernseht oder einfach nebeneinader gelesen wird. Schaffen Sie jedoch auch Rückzugsorte, besonders für Jugendliche sehr wichtig, da diese entwicklungspsychologisch in einem Abgrenzungs-/Abnabelungsprozess sind, der durch die Enge der Wohnung nur bedingt stattfinden kann. Seien Sie nachsichtig mit Ihren pubertierenden Kindern – sie meinen es oft nicht so, wie sie es im ersten Moment ausdrücken! Sprechen Sie mit Ihnen darüber, wenn sich die Situation beruhigt hat und zeigen Sie Verständnis. Oder hätten Sie als 15-jährige/r gerne in einem Raum mit Ihren Eltern gewohnt ohne richtig hinaus zu können, bzw. Freunde zu treffen?!

Bewegung löst Stress in jedem Alter - irrelevant ob 1 oder 99. Im Rahmen der Möglichkeiten und unter Berücksichtigung der jeweils aktuellen Hinweise zum Kontakt mit anderen Personen, verbringen Sie auch Zeit an der frischen Luft, wie z.B. Ball spielen, kegeln, Ziel werfen, Yoga, Turnen, oder einfach nur in der Sonne sitzend. Dies stärkt das Immunsystem und wirkt sehr unterstützend.

Kommen wir mit einem frisch gelüfteten Kopf zurück auf die Struktur im Alltag:

  • Bitte planen Sie gemeinsam mit ihrem Nachwuchs tägliche Routinen – finden Sie einen Kompromiss
  • Klare Lernzeiten, Spielzeit, Freizeit, Bildschirmzeit und Bewegung
  • Feste Schlaf- und Essenszeiten
  • Zusammen kochen (dauert länger – seien Sie geduldig und üben Sie sich in Nachsicht, denn Ihr Kind befindet sich auch hier in einem Lernprozess... )
  • Zusammen essen – auf Essenswünsche eingehen
  • Auf die eigene Tischkultur achten (wie decke ich einen Tisch? Wie esse ich mit Messer und Gabel? Obwohl ab und zu mit den Fingern essen auch witzig ist – probieren Sie es aus )

Eine nette Idee – gerade für die Kleineren, aber auch für die Großen geeignet – ist, eine Ernährungspyramide entweder zu zeichnen oder zu basteln. Sprechen Sie über das Thema gesunde Ernährung, Forschen Sie mit Ihren Kindern, wo denn unsere Lebensmittel herkommen? Wie werden Sie produziert? Wie geht es den Menschen, die sie produzieren? Gehen Sie gemeinsam auf Entdeckungstour, wenn Sie merken, dass Sie die Zeit und Ressourcen gerade haben. Wenn nicht, ist es total OK zu sagen, dass man Zeit für sich selbst benötigt ... Somit sind wir wieder bei dem Thema SelbstgeWAHRsein....

Die Situation ist ernst – jedoch nicht vergessen – Lachen ist gesund und deshalb für diejenigen unter euch, die Ihren Humor behalten wollen, einen abschließenden Witz:

Für mehr Ideen für den häuslichen Unterricht:

Anton Lernapp

https://anton.app/de/

Lernmax – Mathematik-/Deutschaufgaben

https://www.lernmax.at/at/cloud

Lernspaß für Kinder

https://www.lama-verlag.de/lernspass-fuer-kinder

 

Hygienemaßnahmen

https://www.sozialministerium.at/Informationen-zum-Coronavirus/Coronavirus---Informationsmaterial-zum-Download.html

 

Erklärvideo für Kinder:

https://www.youtube.com/watch?v=XO3UZ6CztvA

https://www.youtube.com/watch?v=_kU4oCmRFTw

 

Onlinesuche nach Hilfe:

www.psychnet.at

 


Christine Weinkopf
Christine Weinkopf
Christine Weinkopf ist Mutter, Teach for Austria Fellow, Lehrerin an der NMS Schweglerstrasse und Schulgründerin.

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